Dies ist ein Meisterwerk an anspruchsvoller, spannender Krimiliteratur. Selbst wenn man nur kurz in das Buch reinlesen will, bleibt man unwillkürlich hängen, lässt alles liegen und stehen – auch die Zeit – und folgt den Buchstaben, die eine düstere Geschichte erzählen.
Genauer genommen geht es um Katrine und Joakim, die auf Öland ein altes Anwesen, Aludden, kaufen, um es liebevoll zu renovieren. Darin sind sie Profi. Was sie allerdings nicht wissen, ist, das dieser Hof, der damals angeblich aus dem Holz, das nach dem Untergang eines Schifffes geborgen wurde, zusammengebaut worden ist. Seitdem, so sagen es alte Legenden, hängt ein alter Fluch über den Hof. Nachzulesen ist dies in der alten Scheune, wo an der Wand zahlreiche Namen von Toten eingeritzt sind.
Es dauert nicht lang, da schlägt das Unheil auch bei den beiden zu, die mit ihren Kindern, Livia und Gabriel, von Stockholm nach Öland gezogen sind. An einem Tag, als Joakim noch einmal nach Stockholm fährt, um restliche Sachen zu holen, hört er auf einmal etliche Kilometer von Öland entfernt seine Frau Katrine rufen und ahnt, dass etwas Schreckliches passiert sein muss.
Dieser Krimi sprüht vor Spannung, weil er auf beklemmende Art düster ist: Es ist kalt, es ist dunkel, nachts schreckt die Tochter Livia immer auf und ruft: Ma-ma, Ma-ma. Überall knirscht es, Schritte tauchen aus dem Nichts aus. Parallel dazu wird auch noch die wahre Geschichte – so nimmt man als Leser es zumindest an – von Aludden erzählt. Ein Schreck folgt dem nächsten, ein Toter dem nächsten, das man sich fragt: Wann hört das endlich auf? Johan Theorin ist äußerst raffiniert dabei vorgegangen und ohne, dass immer etwas Schlimmes passiert, ahnt man es schon, dass etwas auf einem zukommt, etwas Furchtbares. Ständig kribbelt es in den Augen – sei es durch den Schnee, der über die Insel fegt oder durch die Spannung, die alles im Griff zu haben scheint.
“Nebelsturm” – Johan Theorin
Piper Verlag, Dezember 2009
19,95 €
